Fortsetzung: Unter blauem Himmel und bei Sonnenschein
Die Busfahrt war lang. Neun lange Stunden saßen und lagen wir in unserem Bus, allerdings kam es uns nicht vor wie neun Stunden, denn während der Fahrt schliefen wir alle sehr viel und nur gelegentlich wurden wir geweckt, um Rast zu machen.Die Ankunft in Paris hätte man sich wettertechnisch ein wenig besser vorstellen können und auch die Pariser Vorstadt ließ noch nichts ahnen von der hoch gelobten, schönen Metropole. Doch als wir uns dem Zentrum näherten, waren unsere Vorurteile gegenüber der Stadt wie weggeblasen und wir waren erstaunt über die vielen Gebäude und sehenswerten Orte, die wir von unserem Bus aus sehen konnten. Wir brachten unser Gepäck in die kleine Jugendherberge, ein schönes Gebäude aus dem 13. Jahrhundert, direkt im Pariser Zentrum. Allerdings durften wir die Zimmer noch nicht betreten, denn diese wurden vermutlich erst noch gereinigt. Also weg mit dem Gepäck in die „Baggagière“ , Rucksack auf uns los ging’s: Wir liefen durch die Gassen, waren froh in Paris zu sein und lachten „voller Mitleid“ über unsere Mitschüler in Deutschland, die in der Schule saßen, während wir einen solch schönen Ort besichtigen durften. Auf der Place des Vosges , gar nicht mal so weit von unserer Unterkunft, machten wir Rast.
Die Lehrerinnen kauften , aus einer nahe gelegenen Boulangerie, frisches Baguette ein und so saßen wir auf den Bänken im Park, die Sonne war nun ganz hinter dem Dickicht der Wolken hervorgedrungen und wärmte uns, während wir stilvoll unsere leckeren Baguettes mit mitgebrachten Köstlichkeiten aus Deutschland: Wurst, Käse, Marmelade aßen. Dazu gab‘ s Orangensaft aus Pappbechern.
Den restlichen Tag verbrachten wir in der Stadt, erkundeten unsere nähere Umgebung das Marais, die Ile Saint – Louis und die Ile de la Cité, die großartigen historischen Bauten Paris. Die Kathedrale Notre Dame war eine unserer ersten Anlaufstellen.
Ein Mittagessen im nahe gelegenen Hotel Fourcy stärkte uns für den Ansturm auf unsere Zimmer, wo wir uns für den Rest des Tages ein wenig erfrischen konnten, denn wir hatten noch einiges vor: Ein Besuch im Centre – Pompidou und dem darin untergebrachten „Musée d’ Art moderne“ mit sehr schrägen und provokanten Kunstwerken. Vor dem Aufbruch zum Montmartre, dem Künstlerhügel im Norden der Stadt, waren unsere Sprachkünste gefragt: „Besorgt euch ein Abendbrot“, lautete der Auftrag. Bad ging´ s zum ersten Mal in eine Metro – Station, wo wir berieten, wie man am sinnvollsten Montmatre erreichen konnte.
Der Aufstieg dorthin lohnte sich, denn von Sacré – Coeur genoss man am Abend einen herrlichen Blick über die Narben der Stadt, auf den leuchtenden Tour Eiffel und einen nackten Mann , der sich lässig im Schein einer Laterne sonnte. Am späten Abend, nach sechsundzwanzig gelaufenen, jedoch fünfzig gefühlten Kilometern , kamen wir an der Jugendherberge an und waren froh, endlich in unsere Betten fallen zu dürfen . Bonne nuit!
Der nächste Tag begann früh. Es war erstaunlich, dass wir trotz der späten Heimkehr alle fast ausgeschlafen am Frühstückstisch saßen und Baguette mit Konfitüre, Butter und einem Kaffee zu uns nahmen. Der Bus wartete bereits auf uns, als wir das haus verließen, zusammen mit unserer Reiseführerin Soheila, die uns durch die Stadt führte. Zum Glück mussten wir nicht laufen, sondern saßen gemütlich im Bus, gelegentlich stiegen wir jedoch aus, um uns die Monumente besser anzuschauen, wie z.B. den Jardin du Luxembourg und das Trocadéro.
Am Nachmittag bummelten wir dann in kleinen Gruppen durch das Quartier Latin, das traditionelle Studentenviertel von Paris, wo wir günstig einkauften. An der „Fontaine Saint Michel“, unserem Treffpunkt, führten wir unsere Errungenschaften vor: „Paris, je t‘ aime !“
Das Abendessen in der Jugendherberge war gut, auch wenn sich eine Gruppe unverschämter Belgier dreister Weise vor uns drängelte, sodass sie zuerst am Buffet anlangten. Halb so schlimm, schließlich waren wir nicht auf der Flucht, hatten allerdings noch viel vor. Zu Fuß gingen wir zur Pont Neuf, der ältesten Brücke in Paris. Dort warte schon unter einer Regenwolke unser Schiff, das uns auf eine einstündige Besichtigungsfahrt auf der Seine mitnahm.
Den weiteren Abend verbrachten wir in der Stadt, um zehn Uhr standen wir dann, Metro sei Dank, vor der berühmt berüchtigten Tour Eiffel und erklommen diese auch, nur die Lehrerinnen blieben am Boden, wie die schwindelerregende Höhe des Turm bei ihnen unangenehme Gefühle auslöste.
Von dort oben, einige hundert Meter über der Stadt, genossen wir erneut eine schöne Aussicht und erlebten hautnah das fünfminütige Leuchten des Eiffelturms, das sich seit der Jahrtausendwende abends zu jeder vollen Stunde wiederholt.
Mit der Metro fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft, allerding war diese Metrofahrt nicht ganz so schön, wie jene, die wir am Nachmittag erlebt hatten, als eine Gruppe Männer mit Gitarren in der Hand zu singen angefangen und Stimmung in den sonst so öden Zug gebracht hatten.
Auch an diesem Abend fielen wir müde und ausgelaugt, doch voll neuer Eindrücke in die Betten.
Der Tag der Abreise verlief aufregend. Zunächst ging´s mit der Metro zur Place de la Concorde (den Platz der Einheit), wo zur Zeit der Revolution die Hinrichtungen mit der Guillotine stattgefunden hatten. Wir bewunderten den Obelisken und die schönen Brunnen, blickten noch ein Mal durch den Arc de Triomphe bis zur Grande Arche zum Stadtteil La Defense.
Von der Place de la Concorde waren es nur ein paar Schritte bis zum Musée de l’ Orangerie, wo wir die riesigen Seerosenbilder von Monet und eine Ausstellung mit Bildern von Paul Klee zu sehen bekamen.
Anschließend spazierten wir durch den Tuilerien Garten zum Louvre, bestaunten die außergewöhnliche Architektur und die moderne Glaspyramide und schlenderten noch bis zum Palais Royal mit seinem schönen Innenhof und Garten, kauften Proviant ein und waren traurig die Stadt am Nachmittag wieder verlassen zu müssen.
Gegen zwei Uhr saßen wir dann in der Sonne an der Seine, auf der wir am Vorabend eine etwas feuchte Bootstour erlebt hatten und aßen noch ein leckeres Eis von Berthillon.
Schließlich ging es zurück in unsere Unterkunft. Die Zimmer hatten wir bereits am Morgen geräumt und unser Gepäck in einer kleinen Gepäckkammer abgestellt.
Wir checkten aus, liefen dem Bus entgegen, verfrachteten unsere Koffer, stiegen in den Bus, verließen Paris, verließen die große Stadt, dem Eiffelturm den Rücken zugekehrt, verließen eine Metropole mit moderner und alter Kunst, mit Mode und Geschichte, mit Reichtum und Armut; ließen zwei wundervolle Tage hinter uns und fuhren der Heimat entgegen, fuhren dem grauen Alltag, den geordneten Straßen und der deutschen Pünktlichkeit entgegen.
Und alle mit dem gleichen Gedanken: Wären es doch ein paar Tage mehr gewesen. „Wir kommen wieder, Paris.“
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